Built to break Records (DE)
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HUMBLHIVE

Chasing 4554 — Mehr als ein Rekord
11:00:07
Von Genua zur Capanna Margherita (4’554 m).
Mit dem Velo. Auf Ski. In einem durchgehenden Push.
Jocelyn Verdenal hat es geschafft.
Eine Idee, die bleibt
Die Idee entstand nicht in einem grossen Moment, sondern beiläufig.
Im Februar 2024, bei einem Wettkampf in Italien, sprach Jocelyn mit seinem Freund Franco Collé über diesen speziellen Rekord — vom Meer bis auf den Monte Rosa, zuerst mit dem Velo, dann auf Skitourenski.
Franco sagte nur:
„Dai Dai Jojo, das ist für dich. Wir machen das.“
Solche Sätze bleiben hängen. Vor allem, wenn sie von jemandem kommen, der selbst weiss, was solche Projekte bedeuten.
Kurz darauf sprach Jocelyn mit Bruno Brunod — einer Legende im Bergsport, ehemaliger Rekordhalter auf unzähligen Bergen. Für Jocelyn aber vor allem: der Vater seiner Partnerin Jasmin.
Die Idee wurde konkret. Und persönlich.
Ein Projekt wächst
Im Winter darauf fiel die Entscheidung: Das Projekt wird real.
Über Benjamin kam der Kontakt zu Humbl zustande. Gemeinsam begann die Planung — nicht nur technisch, sondern auch strategisch: Übergänge, Material, Verpflegung, Timing.
Ein erster Versuch musste abgesagt werden. Das Wetter.
Rückblickend: ein Glück. Das Team war noch nicht bereit.
Zwischenzeitlich wurde der Rekord nochmals verbessert — auf 11h52.
Der Anspruch blieb.
Geduld und das richtige Fenster
Auch der zweite geplante Termin Ende März musste verschoben werden.
Zu viel Wind, schlechte Bedingungen auf dem Gletscher.
Also zurück nach Zermatt. Weiterarbeiten. Warten.
Bis sich das richtige Fenster öffnete:
Sonntag, 5. April 2026.

Genua, 00:30 Uhr
Der Starttag beginnt mitten in der Nacht.
Kaum Schlaf. Spannung. Fokus.
Das Setup ist komplex:
Drei Bikes, Lichtsysteme für die Nacht, Kleidung für Temperaturen zwischen Tal und Hochgebirge, Verpflegung, Übergänge.
Das Velo ist in drei Teile aufgeteilt:
Zuerst ein kurzes Stück auf dem Mountainbike über den Col del Turchino, dann lange flach im Zeitfahrmodus Richtung Pont-Saint-Martin, und schliesslich der Anstieg ins Aostatal wieder auf dem leichten Setup.
Um 02:10 Uhr startet Jocelyn.

Die Nacht — und erste Probleme
Die Bedingungen sind gut. Kaum Verkehr, wenig Wind.
Doch früh zeigen sich die ersten Schwierigkeiten.
Der Garmin verbraucht zu viel Batterie.
Der Magen reagiert auf die Zuckerzufuhr.
Nach rund fünf Stunden erreicht Jocelyn Pont-Saint-Martin — etwa 6 Minuten hinter dem Rekord.
„Das war nicht meine Stärke. Aber ich wusste, dass mein Terrain noch kommt.“
Die Wende in den Bergen
Mit dem Anstieg ins Aostatal beginnt genau dieses Terrain.
Jocelyn findet seinen Rhythmus, macht Zeit gut — und kommt in Gressoney mit rund 10 Minuten Vorsprung an.
Der Wechsel auf Skimo wird zum Schlüsselmoment.
Dank perfekter Organisation durch Jasmin und das Team dauert er nur wenige Minuten. Der Vorsprung wächst auf etwa 15 Minuten.
Hinauf Richtung Mantova
Der Aufstieg durch das Skigebiet Monterosa läuft gut.
Der Körper reagiert. Die Magenprobleme verschwinden.
Der Fokus ist da.
Bei der Capanna Mantova (3’400 m) warten Familie und Freunde.
Auch Bruno Brunod ist dort.
Ein Moment, der zeigt, worum es wirklich geht.
Der Gletscher — und die Entscheidung
Ab hier übernimmt Franco Collé als Begleiter.
Er kennt das Gelände wie kaum ein anderer.
Die verbleibenden über 2’000 Höhenmeter werden zum mentalen Spiel.
Die Gruppe bewegt sich schnell. Sehr schnell.
Bei Mantova beträgt der Vorsprung bereits rund 30 Minuten.
Doch es wird härter. Höhe, Kälte, Erschöpfung.

Die letzten 1’000 Höhenmeter
Zwischen 3’500 und 4’500 Metern wird jeder Schritt schwer.
Franco gibt Orientierung: noch 30–35 Minuten.
Die Hütte ist sichtbar. Der Blick auf die Uhr zeigt: unter 11 Stunden ist möglich.
Der letzte Abschnitt erfolgt auf Steigeisen.
Die Konzentration lässt kurz nach — dann der finale Push.

11:00:07
Jocelyn erreicht die Terrasse der Capanna Margherita.
Rekord.
52 Minuten schneller als die bisherige Bestzeit.
Emotionen, Erschöpfung, Ungläubigkeit.
„24 Stunden später realisiert man erst, was passiert ist.“
Ein Athlet aus dem Elsass, der mit 20 ernsthaft mit dem Velofahren begann und mit 30 ins Skimo fand — verbindet das Meer mit 4’554 Metern in elf Stunden.

Ein gemeinsames Projekt
Am Gipfel stehen sie zusammen: Franco, Lukas, Benjamin, Steve, Tanguy.
Und im Hintergrund all jene, die diesen Moment möglich gemacht haben.
Zurück ins Tal
Nach dem Gipfel geht es gemeinsam auf Ski zurück.
Bei der Mantova warten Familie und Freunde.
Dann weiter ins Tal — Pizza, Bier, ein Kuchen vom Restaurant.
Einfach. Ehrlich. Genau richtig.
Ein Tal, das mitgetragen hat
Die Unterstützung im Aostatal war aussergewöhnlich.
Bergbahnen, Restaurants, Einheimische — viele wussten Bescheid, viele halfen.
Das Projekt wurde zu etwas Grösserem als nur einem Rekordversuch.
Behind the scenes
Während Jocelyn unterwegs war, lief im Hintergrund eine zweite Geschichte.
Das Team arbeitete voraus, positionierte sich im Gelände, begleitete mit Kamera und Drohne fast den gesamten Tag.
Mehrere Kameras, Drohnen, Batterien, Mikrofone — alles im Einsatz.
Dazu drei Bikes, Lichtsysteme, Ersatzteile und Werkzeug.
Ein Setup ohne Spielraum für Fehler.
Humbl — mehr als Velos
Humbl stellte die Bikes für dieses Projekt.
Aber es ging um mehr als Material.
Es ging um Vertrauen, Zusammenarbeit und das gemeinsame Umsetzen einer Idee.
Darum, solche Geschichten möglich zu machen.
Mehr als ein Rekord
Chasing 4554 begann als Gedanke.
Am Ende wurde es eine Geschichte.
Eine Linie vom Meer bis auf 4’554 Meter —
getragen von Menschen, Leidenschaft und dem richtigen Moment.
Und genau darum geht es.


