Built to break Records (DE)

Category:

HUMBLHIVE

Chasing 4554 — Mehr als ein Rekord

11:00:07
Von Genua zur Capanna Margherita (4’554 m).
Mit dem Velo. Auf Ski. In einem durchgehenden Push.

Jocelyn Verdenal hat es geschafft.

Es begann mit Warten

Ursprünglich war der Start auf den 30. März geplant. Alles war bereit. Doch in den Bergen entscheidet nicht der Plan, sondern die Bedingungen. Das Wetter zwang uns, den Versuch zu verschieben.

Also haben wir gewartet, beobachtet und neu geplant.
Bis sich ein Fenster öffnete: Sonntag, 5. April.

Genua, 01:00 Uhr

Die Nacht in Genua war kurz. Kaum Schlaf.

Es gab noch viel zu tun — die Bikes vorbereiten, die richtige Beleuchtung wählen, überlegen, wie Jocelyn sich kleiden soll, um in der Nacht warm zu bleiben und gleichzeitig möglichst aerodynamisch unterwegs zu sein. Und darüber hinaus einen ganzen Tag planen, der vom Meer bis auf über 4’500 Meter führen würde.

Um 02:10 Uhr ging es los. Jocelyn rollte in die Dunkelheit. Drei Begleitfahrzeuge folgten.

Die Bedingungen waren gut. Kaum Wind, kein Verkehr, Temperaturen um die 5.5°C. Die ersten Stunden liefen sauber. Jocelyn lag leicht hinter dem Rekord — etwa fünf Minuten — aber alles war im Plan.

Es gab kleinere Herausforderungen. Ein Garmin verbrauchte mehr Batterie als erwartet und musste gewechselt werden. Sein Magen reagierte auf die konstante Zuckerzufuhr. Nichts Dramatisches, aber genug, um zu zeigen, wie fragil ein solcher Tag sein kann.

Mit dem ersten Licht

Mit dem Tageslicht änderte sich der Rhythmus.

Jocelyn fand in seinen Flow, machte den Rückstand wett und kam zurück auf Kurs. Der Wechsel auf das Kletter-Setup war ein entscheidender Moment. Das ist sein Terrain — lange Anstiege, kontrollierte Leistung, Fokus.

Auf dem Weg Richtung Gressoney gewann er nicht nur Zeit zurück, sondern baute einen Vorsprung auf — rund 15 Minuten vor dem bisherigen Rekord.

Ab diesem Moment ging es nicht mehr ums Aufholen.
Es ging darum, etwas Neues zu schaffen.

Vom Velo auf die Ski

Am Checkpoint musste alles stimmen. Der Wechsel vom Velo auf Skimo ist mehr als nur ein Materialwechsel — es ist ein kompletter Wechsel von Bewegung, Rhythmus und mentalem Zustand.

Ab hier war Jocelyn gemeinsam mit Franco Collé unterwegs, der ihn auf dem finalen Abschnitt begleitete.

Der Aufstieg durch das Skigebiet zur Capanna Mantova (3’400 m) war gesäumt von bekannten Gesichtern. Familie und Freunde warteten dort, unter anderem Bruno Brunod, der Vater von Jasmin und selbst ehemaliger Rekordhalter.

Ein emotionaler Moment. Einer dieser seltenen Augenblicke, in denen alles zusammenkommt. Man hat gespürt, was dieser Tag für Jocelyn bedeutet.

Der Gletscher

Ab 3’400 Metern wird alles ruhiger.

Die Luft wird dünner, die Umgebung stiller, und der Fokus geht nach innen. Schritt für Schritt über den Gletscher Richtung 4’554 Meter.

Hier beginnt das mentale Spiel. Und genau hier machte Jocelyn den Unterschied. Er gewann weiter Zeit.

Die letzten Meter

Der Schlussabschnitt erfolgt zu Fuss, mit Steigeisen. Steil, ausgesetzt, kompromisslos.

Alles war vorbereitet.

Lukas und Benjamin waren bereits in der Nacht vorausgefahren, um die erste Bahn um 07:30 zu nehmen und sich früh oben zu positionieren.
Steve Kippel war weiter unten unterwegs, informierte andere Alpinisten und sorgte für freie Passage.
Tanguy und Lukas warteten oben mit Kameras.
Benjamin hatte die Drohne in der Luft.

Bei der 11-Stunden-Marke ging Jocelyn all-in.
Laufen auf dieser Höhe — wo selbst Gehen schwerfällt.

Am Seil mit Franco, Steve direkt dahinter mit der Kamera, ging es über den letzten Grat und direkt auf den Balkon der Hütte.

11:00:07

Geschafft.

Emotionen, Erschöpfung, Erleichterung. Alles gleichzeitig.

Ein Anruf bei Jasmin. Stolz. Tränen. Stille.

Nach eineinhalb Jahren vom ersten Gedanken bis zu diesem Moment wurde das Projekt Realität.

Und es war klar: Es ging nie nur um die Zeit.

Gemeinsam zurück

Nach dem Umziehen ging es gemeinsam auf Ski zurück ins Tal.

Bei der Capanna Mantova warteten Familie und Freunde. Danach ging es weiter hinunter — Pizza, Bier und sogar ein Kuchen, den das Restaurantteam vorbereitet hatte.

Einfache Dinge. Genau richtig.

Ein Tal, das mitgetragen hat

Den ganzen Tag über war die Unterstützung im Aostatal spürbar.

Monterosa Ski ermöglichte den Zugang, Mitarbeitende halfen, Restaurants verfolgten das Projekt, Menschen wussten Bescheid und wurden Teil davon.

Obwohl Jocelyn aus dem Elsass stammt, fühlte es sich wie ein Heimprojekt an.

Behind the scenes

Während Jocelyn unterwegs war, lief im Hintergrund eine zweite Geschichte.

Lukas und Benjamin fuhren in der Nacht voraus, um sich oben zu positionieren und die entscheidenden Momente einzufangen.

Nico und Sandro begleiteten den Grossteil der Strecke mit Kamera und Drohne und hielten nicht nur die Bewegung, sondern auch die Atmosphäre fest.

Jasmin war den ganzen Tag präsent, unterstützte bei der Ernährung und hielt im Hintergrund alles zusammen. Später kam sie mit der Bahn bis zur Capanna Mantova.

Was im Film leicht wirkt, war technisch aufwendig:
Drei Video-Kameras, drei Fotokameras, neun Objektive, zwei Drohnen, Gimbal, Mikrofone und zahlreiche Batterien — alles im Einsatz, alles unter alpinen Bedingungen.

Auch auf der Veloseite war der Aufwand gross: TT-Bike, zwei Rennräder, mehrere Lichter für die Nacht, Ersatzteile und Werkzeug — vorbereitet für jede Situation.

Humbl — mehr als Velos

Humbl unterstützte das Projekt mit drei Bikes, abgestimmt auf die verschiedenen Anforderungen der Strecke.

Aber es ging um mehr als Material.

Es ging darum, Teil davon zu sein. Mitzugehen. Mitzutragen.

Das ist Humbl.

Nicht nur Produkte, sondern Geschichten.
Nicht nur Leistung, sondern Verbindung.

Mehr als ein Rekord

Chasing 4554 begann als Idee.
Eine Linie vom Meer bis auf 4’554 Meter.

Am Ende wurde es mehr.

Ein Projekt, getragen von Menschen, Vertrauen und gemeinsamer Energie.


Und eines, das bleibt.